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Zeitzeugengespräch, 65 Jahre Mauerbau

"Flucht und Ausreise 1989" am Brandenburger Tor

Gespräch mit Anne Hahn, Maik Hupe & Mario Röllig moderiert von Nine-Christine Müller

Was bedeutete der Mauerbau für diejenigen, die ihn direkt erlebten? Wie nahmen sie den 13. August 1961 wahr? Und welche konkreten Folgen hatte die Berliner Mauer für sie? Am Brandenburger Tor geben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Einblicke in ihre persönlichen Erinnerungen – von den ersten Tagen des Mauerbaus bis zur Grenzöffnung im November 1989. Ihre Berichte eröffnen unterschiedliche Blickwinkel auf die deutsch-deutsche Teilung: von kindlichen Wahrnehmungen oder journalistischen Betrachtungen über Erfahrungen von Repression in der DDR bis hin zu Fluchtgeschichten. Diese Erinnerungen machen deutlich, dass die Berliner Mauer zwar eine klare politische Funktion erfüllte, für die Menschen jedoch unterschiedliche Bedeutungen hatte und ihre Lebenswege auf vielfältige Weise prägte. 

Anne Hahn, geboren 1966, wuchs in Magdeburg auf. Nach einem Fachschulstudium zur Krankenschwester arbeitete sie im Kulturkabinett ihrer Heimatstadt und organisierte Punkkonzerte, weshalb ihr der bereits zugesagte Studienplatz für Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität entzogen wurde. Anwerbeversuche des Ministeriums für Staatssicherheit bewegten sie dazu, im Mai 1989 aus der sowjetischen Republik Aserbaidschan über den Iran in die Bundesrepublik zu fliehen. Dabei wurde sie verhaftet, zurück in die DDR gebracht und verurteilt. Nach dreimonatiger Untersuchungshaft in Berlin-Hohenschönhausen kam sie über weitere Gefängnisse in Magdeburg in den Strafvollzug nach Hohenleuben in Thüringen. Im Oktober 1989 wurden alle politischen Gefangen amnestiert, Anne Hahn kam nach dem Mauerfall am 17. November frei und studierte wenige Monate später Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik an der Humboldt-Universität in Berlin, wo sie heute lebt. 

Maik Hupe, geboren 1970, stammt aus einem katholischen Elternhaus im Eichsfeld (Thüringen), was der Familie in der DDR gravierende Nachteile einbrachte. Für seinen Bruder und ihn gab es keine guten Zukunftsperspektiven, so entschlossen die beiden sich zur Flucht. Durch Kontakte zur Kongregation der "Schwestern von der heiligen Elisabeth" in Polen, erhielten sie schließlich ein Visum. In Warschau gelangten sie mit Hilfe eines jungen Paares über den Zaun auf das Botschaftsgelände der Bundesrepublik Deutschland. Mit anderen Geflüchteten brachte man sie zunächst in einem Ferienlager der Solidarność unter, bevor sie mit anderen Botschaftsflüchtlingen mit dem ersten Zug am 01. Oktober 1989 durch die DDR in die Bundesrepublik gebracht wurden. Die Brüder ließen sich schlussendlich im Münsterland nieder. Nach dem Mauerfall besuchten sie ihre Eltern und ihre Schwester in der DDR. Heute lebt Maik Hupe, nach beruflichen Stationen in Deutschland und Kanada, in Berlin. 

Mario Röllig, geboren 1967, wuchs in Ost-Berlin auf und absolvierte eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. In den 1980ern hatte er eine Liebesbeziehung mit einem West-Berliner. Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit versuchten ihn daraufhin als Inoffiziellen Mitarbeiter anzuwerben. Weil er dies ablehnte, wurde er massiv unter Druck gesetzt. Im Juni 1987 versuchte Mario Röllig, über Ungarn zu fliehen. Dabei wurde er festgenommen und für drei Monate im Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert. Nach seiner Entlassung hörten die privaten und beruflichen Repressalien nicht auf. Noch im Herbst 1987 stellte Mario Röllig einen Ausreiseantrag, der jedoch erfolglos blieb. Ab Anfang 1988 nahm er an oppositionellen Veranstaltungen der evangelischen Kirche in Berlin-Prenzlauer Berg teil. Nach einen Protestbrief an den Staats- und Parteichef Erich Honecker wurde Mario Röllig am 8. März 1988 aus der DDR ausgebürgert und lebte seitdem in West-Berlin.

Das Angebot findet im Rahmen des Sonderprogramms zum 65. Jahrestag des Mauerbaus statt.
Gefördert mit Mitteln des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und der LOTTO-Stiftung Berlin

Mehr Informationen: mauerbau65.berlin

Standort
Stiftung
Sprache
Deutsch
Kosten
kostenfrei
Treffpunkt

Platz des 18. März am Brandenburger Tor, 10117 Berlin

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