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Zeitzeugengespräch, 65 Jahre Mauerbau

"Flucht und Ausreise 1989" am Brandenburger Tor

Gespräch mit Anne Hahn, Mario Röllig & Maik Hupe moderiert von Nine-Christine Müller

Freitag, 14.8.2026, 19:30 – 20:00 Uhr

Was bedeutete der Mauerbau für diejenigen, die ihn direkt erlebten? Wie nahmen sie den 13. August 1961 wahr? Und welche konkreten Folgen hatte die Berliner Mauer für sie? Am Brandenburger Tor geben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Einblicke in ihre persönlichen Erinnerungen – von den ersten Tagen des Mauerbaus bis zur Grenzöffnung im November 1989. Ihre Berichte eröffnen unterschiedliche Blickwinkel auf die deutsch-deutsche Teilung: von kindlichen Wahrnehmungen oder journalistischen Betrachtungen über Erfahrungen von Repression in der DDR bis hin zu Fluchtgeschichten. Diese Erinnerungen machen deutlich, dass die Berliner Mauer zwar eine klare politische Funktion erfüllte, für die Menschen jedoch unterschiedliche Bedeutungen hatte und ihre Lebenswege auf vielfältige Weise prägte. 

Über 160.000 Menschen flüchteten 1989 in den Westen. Viele versuchten dabei die Flucht über das Ausland. Andere stellten Ausreiseanträge und konnten so das Land verlassen. Manche wurden wegen ihrer Aktivitäten in oppositionellen Kreisen festgenommen und in das westliche Ausland abgeschoben. Die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten im Gespräch von ihren Erfahrungen aus der Zeit der späten Achtziger Jahre. 

Anne Hahn, geboren 1966, wuchs in Magdeburg auf. Während ihrer Ausbildungszeit organisierte sie Konzerte und bewegte sich in der Punk-Szene. Das Ministerium für Staatssicherheit überwachte sie und setzte sie unter Druck. Anne Hahn sollte sich von ihren Freund*innen distanzieren, doch sie weigerte sich. Daraufhin verlor sie ihre Arbeit und den erhofften Studienplatz. Im Mai 1989 reiste sie in die Sowjetunion und versuchte, über die Grenze des heutigen Aserbaidschan in den Iran und dann weiter in die Bundesrepublik zu fliehen. Dabei wurde sie verhaftet und zurück in die DDR gebracht. Nach einer dreimonatigen Untersuchungshaft in Berlin-Hohenschönhausen wurde sie in die Haftanstalt Hohenleuben in Thüringen gebracht, wo sie Zwangsarbeit leistete und bis zu einer Generalamnestie vom 17. November 1989 inhaftiert blieb. Nach dem Mauerfall studierte Anne Hahn Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik. 

Maik Hupe, geboren 1970, stammt aus einem katholischen Elternhaus, was der Familie in der DDR Nachteile einbrachte. Für seinen Bruder und ihn gab es keine guten Zukunftsperspektiven, so entschlossen die beiden sich zur Flucht. Durch Kontakte zum Orden der Elisabeth Schwestern in Polen erhielten sie schließlich ein Visum. In Warschau gelangten sie schließlich mit Hilfe eines jungen Paares über den Zaun auf das Botschaftsgelände der Bundesrepublik Deutschland. Mit anderen Geflüchteten brachte man sie zunächst in einem Ferienlager der Solidarność unter, bevor sie mit anderen Botschaftsflüchtlingen mit einem Zug durch die DDR in die Bundesrepublik gebracht wurden. Die Brüder ließen sich schlussendlich im Münsterland nieder. Nach dem Mauerfall besuchten sie ihre Eltern in der DDR. 

Mario Röllig, geboren 1967, wuchs in Ost-Berlin auf und absolvierte eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. Nach seinem Coming-out als Homosexueller sympathisierte er mit einem West-Berliner. Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) versuchten ihn daraufhin als Inoffiziellen Mitarbeiter anzuwerben. Weil er dies ablehnte, wurde er massiv unter Druck gesetzt. Im Juni 1987 versuchte Mario Röllig, über Ungarn in das damalige Jugoslawien zu fliehen. Dabei wurde er von der ungarischen Grenzpolizei verhaftet und kam ab Anfang Juli für drei Monate in das zentrale Untersuchungsgefängnis des MfS nach Berlin-Hohenschönhausen. Nach seiner Entlassung hörten die privaten und beruflichen Repressalien nicht auf. Noch im Herbst 1987 stellte Mario Röllig einen Ausreiseantrag, der jedoch erfolglos blieb. Ab Anfang 1988 nahm er an oppositionellen Veranstaltungen teil, wurde aufgrund seiner Aktivitäten schließlich aus der DDR ausgebürgert und ging 1989 nach West-Berlin.

Das Angebot findet im Rahmen des Sonderprogramms zum 65. Jahrestag des Mauerbaus statt.
Gefördert mit Mitteln des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und der LOTTO-Stiftung Berlin

Mehr Informationen: mauerbau65.berlin

Standort
Stiftung
Sprache
Deutsch
Kosten
kostenfrei
Treffpunkt

Platz des 18. März am Brandenburger Tor, 10117 Berlin

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