Direkt zum Inhalt
Zurück
Pressemitteilung, 22.7.2026

21. Roggenernte an der Kapelle der Versöhnung

Berlin, 22. Juli 2026 – Heute wurde der Roggen auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Kapelle der Versöhnung zum 21. Mal geerntet. Das etwa 2.000 m² große Getreidefeld im ehemaligen Grenzstreifen ist ein bedeutender Teil der Gedenkstätte in der Bernauer Straße: Es symbolisiert das Leben und damit die Überwindung von Angst und Gewalt an diesem historischen Ort.

Der diesjährige Ernteertrag wird auf etwa 300 bis 400 Kilogramm geschätzt. Rund 60 Prozent davon werden zu Mehl verarbeitet, aus dem Brot und Brötchen entstehen, die an Besucherinnen und Besucher der Kapelle der Versöhnung ausgegeben werden. An Weihnachten backt die ehrenamtliche Bäckerin außerdem Lebkuchen und fertigt Oblaten. Kleine Säckchen mit je etwa 300 Gramm Korn, genug für eine Mahlzeit oder zur Aussaat, gibt es gegen eine Spende an der Kapelle, von wo sie in die ganze Welt reisen.

Seit 2006 betreut die Lebenswissenschaftliche Fakultät der Berliner Humboldt-Universität, das Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften, das Feld. Es wurde 2005 als Kunstaktion unter anderem vom Bildhauer und Steinmetz Michael Spengler initiiert. Die Fakultät übernimmt Pflege, Ernte und Aussaat und führt zudem verschiedene Forschungsprojekte zum Roggenfeld durch.

Zur Förderung der Biodiversität und zur Verbesserung der Bodenqualität wurde 2023 die insektenfreundliche Luzerne auf einem Teil des Feldes ausgesät, die dem Boden Stickstoff zuführt und ihn so auf natürliche Weise düngt. In diesem Jahr wurde wieder auf der gesamten Fläche Roggen gesät. Auf den Flächen, wo zuvor Luzerne wuchs, zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Roggenpflanzen – die Ernte fiel hier gut aus. Der Rest des Feldes blieb dagegen hinter den Erwartungen zurück: Die zehn Tage extreme Hitze im Juni waren verheerend, da sie die Pflanzen genau in der Kornfüllungsphase trafen und zu sehr kleinen, sogenannten Schmachtkörnern führten.

Schon im Frühjahr 1990 säten einige Ostberlinerinnen und Ostberliner auf dem Mauerstreifen an der Bernauer Straße Lupinen aus. Später übernahmen Mitglieder der Versöhnungsgemeinde die Aussaat als Teil ihrer Gemeindearbeit, denn im einstigen Todesstreifen sollte wieder etwas wachsen. 2011 wurde das Roggenfeld in die Gestaltung des Gedenkstättenareals integriert. Inzwischen wird hier seit 21 Jahren Getreide gesät, geerntet und nachhaltig verarbeitet.

Kontakt

Hannah Berger
Pressesprecherin | Leiterin der Abteilung Kommunikation und Veranstaltungen
T: +49 (0)30 213 085 162

presse [at] stiftung-berliner-mauer.de
Nach oben