Filmstill aus dem Porträt Konrad Jarauschs zur Veröffentlichung seiner Monografie „Zerrissene Leben“ © Literaturfilm vom 8. August 2018 (YouTube), Screenshot vom 14.9.2026
Zum Tod von Konrad H. Jarausch
Die Stiftung Berliner Mauer trauert um Konrad H. Jarausch, der am 1. September 2026 überraschend verstarb. Schon Ende der 1950er Jahre zog es ihn in die USA, um dort zu studieren. Die Vereinigten Staaten wurden zu seiner neuen Heimat und zum Ausgangspunkt seiner akademischen Laufbahn als Historiker. Seine wegweisenden Forschungen blieben dabei aber immer auch auf die deutsche Zeitgeschichte fokussiert und so führte ihn sein Weg 1998 an das Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, dessen Co-Direktor er bis 2006 blieb.
Für die Stiftung Berliner Mauer war und ist sein analytischer, präziser und transatlantischer Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihren deutschen, europäischen und globalen Dimensionen eine wichtige Grundlage und Inspiration. Zudem sind wir ihm zu großem Dank für sein unermüdliches Engagement für den Erinnerungsort Checkpoint Charlie verpflichtet. Seit 2008 engagierte sich Konrad H. Jarausch in seiner immer sehr bedachten, klar strukturierten und ruhigen Art, die stets von seiner thematisch überaus klaren Vision wie von menschlicher Wärme begleitet wurde, für ein Museum des Kalten Kriegs an dem international bekannten historischen Ort. Er initiierte den „Verein Zentrum Kalter Krieg“ und übernahm für mehrere Jahre den Vereinsvorsitz. Bis zu seinem Tod brachte er sich auch aus den USA intensiv ein, gab Ideen und begleitete das ehrgeizige Projekt mit Rat und Tat. Für ihn war der Checkpoint Charlie der einzig richtige Ort für ein Museum des Kalten Kriegs und sein Augenmerk galt stets den Besucherinnen und Besuchern vor Ort, die er „da abholen [wollte], wo sie sind.“ Ein Interview schloss er 2012 mit dem Wunsch, dass es mit dem Museum „jetzt endlich klappt.“ Dieses Ziel können wir nun leider nicht mehr gemeinsam erreichen, auch wenn die Entwicklung des Erinnerungsortes in den letzten Wochen und Monaten wesentlich vorangeschritten ist.
Mit Professor Konrad H. Jarausch verlieren wir einen weitsichtigen Ideengeber und Berater für die Entwicklung und Ausformung dieses weltweit bekannten Erinnerungsortes. Aber wir schätzen uns glücklich, weil wir auch zukünftig auf seine vielfältigen Publikationen zum Themenfeld des Kalten Krieges zurückgreifen können.
Den Menschen Konrad H. Jarausch aber werden wir schmerzlich vermissen.