"Erinnerungen an den 13. August 1961" am Brandenburger Tor
Mit Jörg Hildebrandt & Renate Werwigk-Schneider, moderiert von Marion Brasch
Was bedeutete der Mauerbau für diejenigen, die ihn direkt erlebten? Wie nahmen sie den 13. August 1961 wahr? Und welche konkreten Folgen hatte die Berliner Mauer für sie? Am Brandenburger Tor geben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Einblicke in ihre persönlichen Erinnerungen – von den ersten Tagen des Mauerbaus bis zur Grenzöffnung im November 1989. Ihre Berichte eröffnen unterschiedliche Blickwinkel auf die deutsch-deutsche Teilung: von kindlichen Wahrnehmungen oder journalistischen Betrachtungen über Erfahrungen von Repression in der DDR bis hin zu Fluchtgeschichten. Diese Erinnerungen machen deutlich, dass die Berliner Mauer zwar eine klare politische Funktion erfüllte, für die Menschen jedoch unterschiedliche Bedeutungen hatte und ihre Lebenswege auf vielfältige Weise prägte.
Jörg Hildebrandt, geboren 1939, wohnte mit seiner Familie in Ost-Berlin direkt an der Sektorengrenze in der Bernauer Straße, wo sein Vater Pfarrer der Versöhnungsgemeinde war. Nach dem Abitur studierte Jörg Hildebrandt an der Freien Universität Berlin – bis dies durch den Mauerbau am 13. August 1961 unmöglich wurde. Im Oktober wurde seine Familie gezwungen, ihre Wohnung im Grenzgebiet in der Bernauer Straße zu verlassen. Im Jahr 1962 verweigerte Jörg Hildebrandt den Wehrdienst. Er leistete später einen Wehrersatzdienst als Bausoldat. Wegen Befehlsverweigerung wurde er für sechs Monate inhaftiert. Nach seiner Entlassung heiratete er Regine Hildebrandt. Von 1966 an arbeitete er viele Jahre in der Evangelischen Verlagsanstalt als Lektor/stellvertretender Cheflektor in Ost-Berlin.
Dr. Renate Werwigk-Schneider, geboren 1938, wuchs in einer DDR-kritischen Pfarrers- und Arztfamilie auf. Ab 1956 studierte sie Medizin an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitete ab 1962 als Assistenzärztin. Nach dem Mauerbau 1961 und der Flucht ihres Bruders nach West-Berlin plante auch der Rest der Familie die Flucht durch einen Tunnel in der Brunnenstraße. Der Versuch scheiterte 1963. Die Familie wurde verhaftet und Frau Werwigk-Schneider zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. 1967 schlug ein erneuter Fluchtversuch mit einem gefälschten Pass an der bulgarisch-türkischen Grenze fehl. Es folgte eine erneute Inhaftierung, bis sie 1968 von der Bundesrepublik freigekauft wurde. Für ihr Engagement als Zeitzeugin erhielt sie 2013 das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2025 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Das Angebot findet im Rahmen des Sonderprogramms zum 65. Jahrestag des Mauerbaus statt.
Gefördert mit Mitteln des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und der LOTTO-Stiftung Berlin
Mehr Informationen: mauerbau65.berlin
- Standort
- Stiftung
- Sprache
- Deutsch
- Kosten
- kostenfrei
- Treffpunkt
Platz des 18. März am Brandenburger Tor, 10117 Berlin