"Tunnelfluchten an der Berliner Mauer" am Brandenburger Tor
Gespräch mit Hubert Hohlbein & Joachim Neumann moderiert von Nine-Christine Müller
Was bedeutete der Mauerbau für diejenigen, die ihn direkt erlebten? Wie nahmen sie den 13. August 1961 wahr? Und welche konkreten Folgen hatte die Berliner Mauer für sie? Am Brandenburger Tor geben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Einblicke in ihre persönlichen Erinnerungen – von den ersten Tagen des Mauerbaus bis zur Grenzöffnung im November 1989. Ihre Berichte eröffnen unterschiedliche Blickwinkel auf die deutsch-deutsche Teilung: von kindlichen Wahrnehmungen oder journalistischen Betrachtungen über Erfahrungen von Repression in der DDR bis hin zu Fluchtgeschichten. Diese Erinnerungen machen deutlich, dass die Berliner Mauer zwar eine klare politische Funktion erfüllte, für die Menschen jedoch unterschiedliche Bedeutungen hatte und ihre Lebenswege auf vielfältige Weise prägte.
Hubert Hohlbein, geboren 1942, wuchs im Ost-Berliner Bezirk Adlershof auf und erlernte den Beruf des Elektrotechnikers. Er flüchtete am 21. November 1963 mit einer Tauchausrüstung durch den Jungfernsee aus der DDR. Seine Flucht hatte er akribisch trainiert und vorbereitet. Nach seiner Flucht lebte er in West-Berlin. Hier studierte er Elektrotechnik und wurde Teil einer studentischen Fluchthelfergruppe. Hubert Hohlbein war genau wie Joachim Neumann an dem Bau des erfolgreichen Fluchttunnels „Tunnel 57“ beteiligt. Eine der Personen, die durch den Tunnel flüchteten konnten, war Hubert Hohlbeins Mutter. Anschließend half Hubert Hohlbein noch zwei weiteren Personen bei ihrer Flucht aus der DDR. Er erhielt für seinen Einsatz als Fluchthelfer 2012 das Bundesverdienstkreuz.
Joachim Neumann, geboren 1939, legte in Ost-Berlin sein Abitur ab und studierte in Cottbus Bauingenieurwesen. Nach dem Bau der Berliner Mauer wurde die politische Situation in der DDR für ihn unerträglich. Mit einem Schweizer Pass gelang ihm kurz vor Weihnachten 1961 die Flucht nach West-Berlin. Dort setzte er sein Studium an der Technischen Universität fort. In West-Berlin wollte Joachim Neumann auch anderen bei der Flucht helfen. Er schloss sich einer Gruppe von Fluchthelfern an und arbeitete an fünf Fluchttunneln mit. Besonders bekannt wurde der „Tunnel 57“ an der Bernauer Straße. Durch diesen Tunnel gelang im Oktober 1964 insgesamt 57 Menschen die Flucht nach West-Berlin – darunter auch seiner damaligen Freundin und späteren Ehefrau. Für seinen Einsatz als Fluchthelfer erhielt Joachim Neumann 2012 das Bundesverdienstkreuz.
Das Angebot findet im Rahmen des Sonderprogramms zum 65. Jahrestag des Mauerbaus statt.
Gefördert mit Mitteln des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und der LOTTO-Stiftung Berlin
Mehr Informationen: mauerbau65.berlin
- Standort
- Stiftung
- Sprache
- Deutsch
- Kosten
- kostenfrei
- Treffpunkt
Platz des 18. März am Brandenburger Tor, 10117 Berlin