Ein Denkmal, das bleibt!
Besucherinnen und Besucher beim Fotografieren an der East Side Gallery, 2025 © Stiftung Berliner Mauer, Foto: Jascha Fibich
Die East Side Gallery ist mehr als ein Teil der Berliner Mauer – sie ist ein einzigartiges Kunst- und Kulturerbe von internationalem Interesse. 1990 bemalten 118 Künstlerinnen und Künstler die Reste der Berliner Mauer, 1991 stellte das Land Berlin die East Side Gallery unter Denkmalschutz. Ihr langfristiger Erhalt ist eine besondere Herausforderung: Witterung, Abnutzung und unterschiedliche Interessen beeinflussen das Denkmal von Anfang an.
Konservierung von „Hands“, dem letzten originalen Mauerbild von 1990, 3.9.2020 © Stiftung Berliner Mauer
Die Initiative „Ein Denkmal, das bleibt!“ entstand anlässlich des 35. Jahrestages der East Side Gallery am 28. September 2025. Sie bündelt die Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte, fördert Forschung und Monitoring und den interdisziplinären Austausch mit verschiedenen Fachbereichen. Sie gibt den Anstoß dafür, erstmals einen konkreten Fahrplan für Maßnahmen der Restaurierung und der Pflege der Mauerbilder und des Gesamtkunstwerks East Side Gallery zu definieren.
Diskussionen und Herausforderungen
Die East Side Gallery bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Originalität und Rekonstruktion, Erhalt und Veränderung, Museum und öffentlichem Raum sowie Kunstwerk und Bausubstanz. Zahlreiche Restaurierungen und denkmalpflegerische wie künstlerische Eingriffe haben sie über die Jahre geprägt – zentrale Fragen bleiben offen:
- Wie lässt sich das Denkmal langfristig sichern – fachlich fundiert und gesellschaftlich getragen?
- Welche Zeitschichten sollen bewahrt werden?
- Welches Vorgehen ist für die Restaurierungsarbeiten empfehlenswert?
- Welche Veränderungen sind vertretbar, um das Denkmal in die Zukunft zu führen?
- Und wie können zeitgenössische Kunst und Denkmalpflege sinnvoll miteinander verbunden werden?
Nicht zuletzt stellt sich die Frage, welche Form der Authentizität die jährlich über vier Millionen Besuchenden diesem Denkmal zuschreiben.
Austauschen
Gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz machten wir im September 2025 auf das aktuelle Schadensbild der East Side Gallery aufmerksam. Bei der Podiumsdiskussion diskutierten wir grundlegende Fragestellungen zum Erhalt des Denkmals. Vertiefend tauschten sich Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen beim Werkstattgespräch „Identität – Erhalt – Zukunft“ über Schäden, Monitoring und mögliche Vorgehensweisen aus.
Neben der Fachöffentlichkeit befragten wir auch Touristinnen und Touristen und waren im Gespräch mit Künstlerinnen und Künstlern, um Erwartungshaltungen und Interessenschwerpunkte kennenzulernen. In Partizipationsworkshops wurden die Sichtweisen von Schülerinnen und Schülern sowie internationalen Studierenden diskutiert und in das Projekt eingebracht.
Untersuchen, Beobachten und Vermitteln
Die East Side Gallery wird systematisch untersucht: Sämtliche Schäden an der Mauer und den Bildern werden in einer digitalen Kartierung erfasst, um Schadensverläufe und -dynamiken zu analysieren. Begleitend werden mithilfe von Messungen, z.B. der Temperatur, Schadensursachen ermittelt. Im Rahmen eines Pilotprojekts und mithilfe von Musterflächen werden an ausgewählten Mauerbildern praktische wie denkmaltheoretische Fragen zur Pflege und Erhaltung konkretisiert und aus den Ergebnissen Vorgehen für die East Side Gallery abgeleitet.
Die historisch-politische Bildungsarbeit setzt einen neuen Fokus, um für das Denkmal und die Erhaltungsbemühungen zu sensibilisieren, historische Spuren sichtbar zu machen und Identifikation mit dem Denkmal zu befördern.
Auswerten
Die gewonnenen Erkenntnisse, Erfahrungen und Analysen werden schrittweise zusammengeführt und ausgewertet. Ziel ist es, konkrete Handlungsleitlinien für Restaurierungsarbeiten, die Pflege und den zukünftigen Umgang mit Schäden festzulegen. Die Ergebnisse werden öffentlich zugänglich gemacht, um über das Projekt hinaus Impulse für den Umgang mit komplexen Denkmälern im urbanen Raum zu geben. So entsteht ein praxisnahes und belastbares Fundament für die Zukunft der East Side Gallery – zwischen Erhalt, Wandel und öffentlicher Teilhabe.
Die Stiftung Berliner Mauer arbeitet mit Verantwortlichen auf Landes- und Bezirksebene (Landesdenkmalamt Berlin, Unterer Denkmalschutz Friedrichshain-Kreuzberg), Kunstschaffenden der Galerie sowie Expertinnen und Experten zusammen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der East Side Gallery befassen. Ziel ist es, die Untersuchungs- und Erhaltungsmaßnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und ein gemeinsam abgestimmtes Vorgehen durchzuführen.
Die Beraterinnen und Berater begleiten alle Phasen des Projekts. Sie stellen sicher, dass u.a. Expertisen aus Kunst, Denkmalpflege, Restaurierung, Bauingenieurswesen und Wissenschaft einfließen.
Buch & Schudrowitz
Buch & Schudrowitz Restauratoren GbR ist ein Berliner Unternehmen, das auf Denkmalpflege und Restaurierung spezialisiert ist. Geschäftsführer Andreas Schudrowitz und Mitarbeiterin Laura Bluhm betreuen seit Jahren die Restaurierungsprojekte an der East Side Gallery.
Prof. Dr. Christoph Herm
Prof. Dr. Christoph Herm bekleidet das Lehramt für Naturwissenschaften und Archäometrie an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Seine Lehr- und Forschungstätigkeit umfasst materialwissenschaftliche Ansätze in der Kunst- und Denkmalpflege.
Sandra Jäntsch
Sandra Jäntsch ist als Bauingenieurin an der Hochschule Wismar tätig. Ihre Lehr- und Forschungstätigkeit umfasst Betonmaterialien, Bauwerkschutz und Oberflächenverhalten, wobei sie sich auf die Analyse, Optimierung und Erhaltung von Bauwerken konzentriert.
Prof. Dr. Marcus Santner
Prof. Dr. Markus Santner lehrt als Professor für Kunsttechnologie und Restaurierung von Wandmalerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Seine Lehre und Forschung umfasst werktechnische und erhaltungsorientierte Fragestellungen zur historischen Wandmalerei.
Prof. Dr. Ingrid Scheurmann
Prof. Dr. Ingrid Scheurmann ist Historikerin und Denkmalpflegerin. Sie lehrt und forscht zu Geschichte, Theorie und Vermittlung von Denkmalpflege und ist seit vielen Jahren in Projekten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aktiv.
Dr. Konrad Scheurmann
Dr. Konrad Scheurmann ist Kunsthistoriker mit Schwerpunkt auf bauhistorischer Analyse und Ausstellungskonzeption. Er leitete das BMBF‑Verbund‑Forschungsprojekt Farbe als Akteur und Speicher und ist in Forschungsprojekten zu Materialität und Bedeutung von Farbe aktiv.
Förderungen
Die Initiative wird gefördert durch:
Online-Ausstellung
Weitere Informationen zur East Side Gallery, den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern, der Restaurierung und vielen anderen Themen finden Sie hier.