Die längste Open-Air Galerie der Welt
© Stiftung Berliner Mauer, Foto: Peter Adamik
Auf über 1,3 Kilometern erstreckt sich die East Side Gallery zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke und zählt zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Über 118 Kunstschaffende aus 21 Ländern gestalteten sie als längste Open-Air-Galerie der Welt, deren Werke heute dazu beitragen den historischen Ort lebendig zu halten und seine Geschichte für Besuchende aus aller Welt zugänglich zu machen.
Nach dem Fall der Berliner Mauer malten Künstlerinnen und Künstler bereits wenige Tage später auf die Ostseite der Mauer. Die ersten Bilder am Potsdamer Platz wurden jedoch von DDR-Grenzsoldaten überstrichen. Der Künstler David Monty aus Schöneberg und die Künstlerin Heike Stephan aus Prenzlauer Berg entwickelten daraufhin die Idee, die „Mauer zur größten Galerie der Welt“ zu machen und baten um Genehmigung. Nach Gesprächen mit dem Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR einigte man sich auf das Mauerstück in der Mühlenstraße. Mit Genehmigung des DDR–Ministerrates wurde das Projekt East Side Gallery gegründet und Kunstschaffende aus aller Welt zur Beteiligung eingeladen.
David Montys Assistentin Christine MacLean koordinierte das Projekt. Ab März 1990 betreute sie die Mitwirkenden, akquirierte Sponsorengelder und arbeitete zusammen mit der Veranstaltungs– und Werbeagentur wuva an der Entwicklung von Werbemaßnahmen. Die East Side Gallery wurde am 28. September 1990 eröffnet.
Die Künstlerinnen und Künstler schufen mit ihren individuellen Botschaften ein Dokument der Zeitgeschichte. Über hundert Gemälde zeigen Freude über den Mauerfall, die Überwindung des Kalten Kriegs sowie Hoffnungen auf Frieden, Freiheit und Demokratie. Zugleich thematisieren viele Werke die Sorgen über eine ungewisse Zukunft.
Durch ihre Kunst bewahrten die Beteiligten die Mauer vor Abriss und weiterem Zerfall. Im November 1991 wurde die East Side Gallery in die Denkmalliste des Landes Berlin aufgenommen. Als eines der letzten erhaltenen Mauerstücke am Originalstandort vermittelt sie heute die 28–jährige Teilung Berlins.
Mühlenstraße, 1987, Foto: Gerd Danigel, ddr-fotograf.de, CCA-S A 4.0 International
Die Künstlerinnen und Künstler über die East Side Gallery
Die Künstler Jim Avignon, Andreas Kämper und Kiddy Citny erinnern sich zusammen mit Christine MacLean, Mitorganisatorin der East Side Gallery, an die Bemalung von 1990. Im Gespräch mit Lutz Henke (Visit Berlin) berichten sie 30 Jahre nach der Einweihung der East Side Gallery von den Umständen der Malaktion sowie von ihren unterschiedlichen Bezügen zur Berliner Mauer und diskutieren über den zukünftigen Umgang mit diesem Ort.
Andreas Kämper, Jim Avignon und Kiddy Citny im Gespräch, 30. Jahrestag der East Side Gallery, 2020 © Stiftung Berliner Mauer, Foto: Ladan Razaeian
Die Geschichten hinter der Kunst
Viele Künstlerinnen und Künstler berichten in Interviews mit der Stiftung Berliner Mauer über ihre Erinnerungen an die East Side Gallery. Sie erzählen von ihrem Weg zur East Side Gallery und der Bedeutung ihrer Bilder. Sie sprechen auch von ihren Erlebnissen mit der DDR, dem Mauerfall und der Zeit danach.
Die Kunstwerke der East Side Gallery sahen 1990 anders aus als heute. Bereits in den 1990er-Jahren machten Beschmierungen und die Witterungseinflüsse es notwendig, dass Künstlerinnen und Künstler beschädigte Stellen an ihren Bildern teilweise oder ganz neu malten. Für den langfristigen Erhalt der Kunstwerke fanden 2008/2009 umfassende Sanierungsarbeiten statt. Dabei wurden die Bilder zerstört, um das Mauerwerk in Stand zu setzen. Anschließend haben viele der Beteiligten ihre Bilder erneut aufgemalt: einige originalgetreu, andere nahmen Veränderungen vor. Eine kleine Gruppe weigerte sich, die Bilder neu zu malen. Die zugehörigen Mauersegmente sind seitdem unbemalt.
Insgesamt vier Kunstwerke von ihrem originalen Standort in die Grünanlage hineinversetzt. Die Lücken in der Galerie waren erforderlich, um Zufahrten zu neuen Häusern und eine Bootsanlegestelle für die Mercedes-Benz-Arena zu schaffen.
Hans-Peter Dürhager und Ralf Jesse
„Der müde Tod“
Die Künstler gaben ihrem Bild im Rahmen der Sanierungsarbeiten 2008/2009 eine andere Farbgestaltung.
35 Jahre später
Neue Perspektiven auf den Wandel
Bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Zwischen Original und Kopie. Wandel und Debatten zur East Side Gallery“ am 28. September 2025 erinnerten sich die Künstlerinnen und Künstler Birgit Kinder („Test the Rest“), Jolly Kunjappu („Dancing to Freedom“), Andy Weiss („Geist-Reise“) und Gábor Simon („Space-Magik“) an ihre künstlerische Arbeit an der Mauer vor 35 Jahren. Unter der Moderation von Anna von Arnim-Rosenthal, Leiterin der East Side Gallery, diskutierten sie die Frage nach der Identität der East Side Gallery als Erinnerungs- und Kunstort, als Denkmal, Graffiti-Sehenswürdigkeit und touristischem Hotspot.
Gábor Simon, Jolly Kunjappu, Birgit Kinder und Andy Weiss im Gespräch, 35. Jahrestag der East Side Gallery, 2025 © Stiftung Berliner Mauer, Foto: Dong-Ha Choe
Hands
Das einzig verbliebene Original an der East Side Gallery
Das Bild „Hands“ von Margaret Hunter und Peter Russell vermittelt eindrücklich die Geschichte der East Side Gallery: Als einziges Original von 1990 zeigt es, wie die Bilder ursprünglich aussahen. Nur „Hands“ wurde bei den großen Sanierungen den Jahren 2000 und 2009 nicht neu gemalt, sondern seit 1990 immer nur konservatorisch behandelt. Die Stiftung Berliner Mauer hat das Bild im Rahmen des 30. Jahrestages der East Side Gallery konservieren lassen, um es langfristig zu erhalten. Am 13. September 2020 sprachen Margaret Hunter und Stiftungsdirektor Axel Klausmeier über den Schutz und die Sanierungen des Denkmals. Anschließend fanden Führungen statt, bei denen sich die Teilnehmenden über viele weitere Kunstwerke austauschten.
Entdecken Sie einige Impressionen des Tages und erfahren Sie in dem Podcast mit der Künstlerin mehr über die Entstehung und den Wandel von „Hands“!
In den Jahren nach dem Mauerfall nahmen die stadtplanerischen Konzepte den Spreeraum rund um die Oberbaumbrücke auf. Die Bauvorhaben direkt am Wasser standen dabei oft nicht im Einklang mit dem Erhalt der unter Denkmalschutz stehenden East Side Gallery. Für die Bebauungen wurden Maueröffnungen geschaffen, die vor allem im Jahr 2013 großen Protest und Demonstrationen auslösten. Zuletzt wurden im März 2018 Teile der bemalten Mauer herausgenommen und an einer anderen Stelle in unmittelbarer Nähe aufgestellt.
Im November 2018 wurden die Grundstücke „Park an der Spree“ und „East Side Park“ mitsamt der Elemente der ehemaligen Berliner Mauer (East Side Gallery) durch das Land Berlin an die Stiftung Berliner Mauer übertragen. Sie hat die Aufgabe das Denkmal zu pflegen und zu erhalten und am Ort Bildungs-, Vermittlungs- und Informationsarbeit zur Geschichte der Berliner Mauer und der Geschichte der East Side Gallery zu leisten.
Im Januar 2025 wurde das denkmalgerecht sanierte Pförtnerhaus im ehemaligen Grenzstreifen an der East Side Gallery als Besuchsinformation und Treffpunkt für Führungen eröffnet. Das Gebäude, das seit 2020 unter Denkmalschutz steht, wurde 2023 und 2024 von der Stiftung Berliner Mauer gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung umfassend instand gesetzt. Ursprünglich Teil eines Speichers des Kombinats Getreidewirtschaft in der Mühlenstraße, wurde es 1977 in die Grenzanlagen integriert und von DDR-Grenzsoldaten sowie der Volkspolizei genutzt. Nach 1990 diente es über viele Jahre als Souvenirladen.