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Schwarz-Weiß-Foto

Blick aus der Friedrichstraße in Richtung Norden auf den Checkpoint Charlie vor 1989. Dahinter ist die Grenzübergangsstelle (GÜSt) Friedrichstraße/Zimmerstraße zu sehen. © AlliiertenMuseum, Slg. Provan, Foto: U.S. Army

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Online/Digital, Diskussion

Goodbye Checkpoint Charlie

Montag, 22.6.2020, 19:00

Am Vormittag des 22. Juni 1990 wird am Checkpoint Charlie das Kontrollhäuschen der westlichen Alliierten in einem militärischen Festakt abtransportiert. Ein Symbol des Kalten Krieges in Berlin ist überflüssig geworden. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. An diesem Tag werden die internationalen Zwei-plus-Vier-Verhandlungen zur deutschen Einheit in Ost-Berlin fortgeführt. Die daran beteiligten Außenminister der USA, der Sowjetunion, Frankreichs, Großbritanniens, der Bundesrepublik und der noch existierenden DDR nehmen gemeinsam am Festakt teil. Im Anschluss verhandeln sie im Ost-Berliner Schloss Schönhausen über die zukünftige Souveränität eines geeinten deutschen Staates. Das Treffen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Zwei-plus-Vier-Vertrag, der im September 1990 unterzeichnet wird und das Ende der Teilung Deutschlands besiegelt.

Die Stiftung Berliner Mauer nimmt gemeinsam mit dem AlliiertenMuseum, dem Institut für Zeitgeschichte – Berliner Kolleg Kalter Krieg, dem Verein Zentrum Kalter Krieg – Black Box und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur die Ereignisse dieses historischen Tages zum Anlass, 30 Jahre später erneut an die internationalen Verhandlungen auf dem ereignisreichen Weg zur deutschen Einheit zu erinnern.

Standort
Checkpoint Charlie
Kosten
kostenfrei

Nachgefragt. ZeitzeugInnen und WissenschaftlerInnen im Interview

2 + 4 = 1 demokratisches Deutschland

Florian Weiß im Gespräch mit Dr. Tim Geiger

Die komplexen historischen Zusammenhänge der internationalen Verhandlungen zur deutschen Einheit erklärt der Historiker Dr. Tim Geiger auf Nachfrage des Museumskurators Florian Weiß. Im Gespräch erläutern sie die unterschiedlichen Ansprüche und Forderungen der Verhandlungsparteien und beleuchten die diplomatischen Herausforderungen am Ende des Kalten Kriegs.

Es waren turbulente Zeiten

Prof. Dr. Hermann Wentker im Gespräch mit Markus Meckel

„Es waren turbulente Zeiten“, leitet der Zeithistoriker Prof. Dr. Hermann Wentker das Gespräch mit dem Zeitzeugen Markus Meckel ein, der vor 30 Jahren als Außenminister der DDR am Festakt am Checkpoint Charlie teilnahm und Gastgeber der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen im Schloss Schönhausen war. Gemeinsam richten sie den Blick zurück auf die Handlungsspielräume und Ziele des Politikers im Verhandlungsprozess zur deutschen Einheit.

Umbruchszeiten

Cornelia Thiele im Gespräch mit Ingrid Stahmer

Als Stellvertreterin des Regierenden Bürgermeisters Walter Momper nahm Ingrid Stahmer an dem Festakt zum Abbau des Checkpoint Charlies im Juni 1990 teil. In dem Gespräch mit Cornelia Thiele schaut sie zurück auf das Ereignis und die Herausforderungen, die sich ihr als Bürgermeisterin und Senatorin für Soziales und Gesundheit – zunächst in West-Berlin, dann im vereinigten Berlin – 1989/90 stellten.

Erinnern! Aber wie?

Dr. Agnes Bresselau von Bressensdorf im Gespräch mit Dr. Susanne Muhle

Die Historikerinnen Dr. Agnes Bresselau von Bressensdorf und Dr. Susanne Muhle sprechen über den Erinnerungsort Checkpoint Charlie und seine Anziehungskraft. Im Gespräch lassen sie die Debatten um den historischen Ort Revue passieren und richten den Blick auf die Zukunftspläne. Denn derzeit werden die Weichen gestellt für die Neugestaltung des Erinnerungsortes an dem berühmten Grenzübergang.

Einblicke in die Sammlungen des AlliiertenMuseums und der Stiftung Berliner Mauer

Am Checkpoint Charlie trifft die Geschichte der Berliner Mauer und der Grenzübergangsstellen der DDR auf die internationale Geschichte der westlichen Alliierten in Berlin. Die Sammlung des AlliiertenMuseums basiert auf den 1994 übergebenen Beständen der amerikanischen, britischen und französischen Streitkräfte. Hierzu gehören militärisches Großgerät, Uniformen und Alltagsgegenstände sowie eine Vielzahl von Archivalien, Fotos und Filmen. Die Sammlung der Stiftung Berliner Mauer ist spezialisiert auf Objekte, Fotografien, Dokumente und biographische Konvolute zur Geschichte der Berliner Mauer und ihren Auswirkungen. Zudem ist das Lapidarium der Gedenkstätte der zentrale Lagerort für die originalen Mauerreste aus ganz Berlin.

In der Fotogalerie zeigen wir Exponate aus beiden Sammlungen zum Checkpoint Charlie und der GÜSt Friedrichstraße/Zimmerstraße aus den Jahren 1989/90.

  • Schild

    Hinweisschild vom Kontrollhäuschen, das amerikanische Militärangehörige auffordert, sich für den Besuch Ost-Berlins von der Militärpolizei registrieren zu lassen.
    Nachweis: AlliiertenMuseum, ALM 94/810

  • Schreibmaschine

    Schreibmaschine aus dem Büroabteil der französischen Gendarmerie im Kontrollhäuschen; zum Zeitpunkt des Abbaus 1990 war ein Formular zur Erfassung von Fahrzeugen, die den Checkpoint passieren, eingespannt.
    Nachweis: AlliiertenMuseum

  • GÜSt Friedrichstraße/Zimmerstraße

    Blick aus der Zimmerstraße auf die GÜSt Friedrichstraße/Zimmerstraße Ende der 1980er Jahre. Die Schilder an der halbhohen Mauer markieren die verschiedenen Zugänge.
    Nachweis: Stiftung Berliner Mauer, Foto: Hans W. Mende

  • Schild

    Beschilderung des Fußgänger-Durchgangs am Postenstand der GÜSt, den auch Angehörige des Diplomatischen Korps (CD) und Militärangehörige zu nehmen hatten.
    Nachweis: AlliiertenMuseum

  • Zeichnung

    Handskizze zur zukünftigen Gestaltung der Verkehrsführung in der GÜSt, 1984 von einem Mitarbeiter der Hauptverwaltung VI des Ministeriums für Staatssicherheit angefertigt.
    Nachweis: BStU, MfS, HA VI, 10840, 003

  • Luftbild

    Luftaufnahme der GÜSt Friedrichstraße/Zimmerstraße und des Checkpoint Charlie von 1986. Am linken Bildrand befindet sich ein Zufahrtstor zum Grenzgebiet, das der seitlichen Absicherung der GÜSt diente.
    Nachweis: BStU, MfS, HA I, Fo 365, Bild 39

  • zufahrtstor

    Das Zufahrtstor mit zwei massiven Metallflügeln wurde 2017 auf dem ehemaligen Grenzgebiet wiederentdeckt und für die Sammlung der Stiftung Berliner Mauer geborgen.
    Nachweis: Stiftung Berliner Mauer

  • Schwarz Weiß Foto

    Am 9. November 1989 kommen um 23 Uhr über 3000 West-BerlinerInnen und ca. 100 Ost-BerlinerInnen auf beiden Seiten der GÜSt zusammen und fordern die Öffnung der Grenze.

    Nachweis: Stiftung Berliner Mauer, Foto: Hans W. Mende

  • Schwarz Weiß Fotos

    Nachdem an anderen Grenzübergängen in Berlin die Grenztore bereits geöffnet sind, wird um Mitternacht auch an der GÜSt Friedrichstraße/Zimmerstraße das Tor entriegelt.
    Nachweis: Stiftung Berliner Mauer, Foto: Mathias Brauner

  • Schwarz Weiß Foto

    Am Tag nach dem Mauerfall wird am Checkpoint Charlie eine lange Kolonne von Fahrzeugen aus Ost-Berlin von Schaulustigen mit Jubel und Applaus gefeiert.
    Nachweis: AlliiertenMuseum, Slg. Provan, Foto: Joe Dwen

  • Luftbild

    Von einem Hubschrauber der US Army aus bietet sich am Tag nach der Maueröffnung ein eindrucksvolles Bild von den Menschenmengen, die über die GÜSt und den Checkpoint Charlie strömen.
    Nachweis: AlliiertenMuseum, Foto: U.S. Army

  • Abtransport

    Nach dem feierlichen Abtransport des Kontrollhäuschens weht das Sternenbanner noch vor Ort. US-Militärpolizisten und West-Berliner Polizei halten Schaulustige auf Abstand.
    Nachweis: AlliiertenMuseum, B 2018/08.05736, Foto: U.S. Army

  • Flagge

    Sternenbanner vom Flaggenmast am Checkpoint Charlie, dessen Tuch durch Wind und Wetter eingerissen ist, 1980er Jahre.
    Nachweis: AlliiertenMuseum

  • Graffiti an der Mauer

    Graffitis auf der Berliner Mauer in der Zimmerstraße an der Ecke Friedrichstraße im November 1989.
    Nachweis: Stiftung Berliner Mauer, Foto: Rolf Kißling

  • Mauerspecht

    Alwin Nachtweh wird direkt nach der Öffnung der Grenze zum „Mauerspecht“. In mühevoller Arbeit klopft er Stücke aus der harten Betonwand in der Zimmerstraße und verkauft sie vor Ort.
    Nachweis: Alwin Nachtweh

  • Hammer

    Dieser Hammer von Alwin Nachtweh ist nur ein kleiner Teil seines Werkzeugs. Nötig war eine ausgefeilte Technik und robustes Werkzeug, um ganze Stücke lösen zu können.
    Nachweis: Stiftung Berliner Mauer, Schenkung von Alwin Nachtweh

  • Abriss

    Im Sommer 1990 wird die Berliner Mauer in der Zimmerstraße vollständig abgerissen.
    Nachweis: Alwin Nachtweh

  • Abriss

    Zeitgleich wird auch die Grenzübergangsstelle zurückgebaut.
    Nachweis: Alwin Nachtweh

  • Spuren vor Ort

    Auch heute sind noch Spuren der GÜSt vor Ort zu finden. Im Untergrund der Schützenstraße 2 werden 2017 die alten Kabelschächte geöffnet und besichtigt.
    Nachweis: Archiv Berliner Unterwelten

  • Kabelbinder

    Diese Kabelbinder stammen aus dem 2017 geöffneten Schacht. Die Beschriftungen weisen darauf hin, dass sie an Signal-/Alarm- (TSA) bzw. Bildübertragungsleitungen (FBA) des Ministeriums für Staatssicherheit zur Überwachung des Grenzbereichs angebracht waren.
    Nachweis: Stiftung Berliner Mauer

  • Kontrollhäuschen

    Das letzte Kontrollhäuschen vom Checkpoint Charlie befindet sich im Besitz des AlliiertenMuseums und wird zusammen mit weiteren Großobjekten auf dem Freigelände ausgestellt.

    Nachweis: AlliiertenMuseum, Foto: Chodan

Podiumsdiskussion

Live-Mitschnitt der Podiumsdiskussion „Goodbye Checkpoint Charlie“ vom 22. Juni 2020 aus dem asisi-Panorma Berlin mit den Zeitzeugen James D. Bindenagel, Jürgen Chrobog, Markus Meckel und der Historikerin Hope M. Harrison.

Moderation: Shelly Kupferberg.

Zum YouTube-Video

Checkpoint Charlie im Museum

Das alliierte Kontrollhäuschen vom Checkpoint Charlie wird seit 1994 auf dem Freigelände des AlliiertenMuseums in Berlin-Dahlem ausgestellt. Begleiten Sie den Direktor des Museums Dr. Jürgen Lillteicher bis ins Innere und erfahren dabei Grundlegendes zur Geschichte und Funktion dieses besonderen zeitgeschichtlichen Objekts.

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